Gestaltungsraster

Definition

Im Anschluß an die Definition des Satzspiegels sollte überlegt werden, wie die Informationseinheiten wie Textspalten und Abbildungen innerhalb des Satzspiegels anzuordnen sind. Das daß festzulegende Schema nennt man Gestaltungsraster.

Dazu sollten zunächst Überlegungen zur Aufteilung des Textes in Spalten getroffen werden. Beim Lesevorgang wird der Satz durch den Leser in Blöcken von jeweils 2 bis 3 Worten erfaßt. Erst im zweiten Schritt wird diese Information in Worte zerlegt. Ist ein Wort unbekannt, zu lang oder durch das Schriftbild verfremdet, so wird zeichenweise gelesen. Dies reduziert jedoch die Lesegeschwindigkeit und ermüdet schnell. Gleiches gilt für den Wortabstand; ist dieser zu klein oder zu groß oder die Spaltenbreite zu schmal oder zu breit, so bereitet die Unterteilung des Textes in Worte Probleme und das Auge erfaßt beim Lesevorgang weniger Text als möglich. Eine Einteilung des Textes in mehrere Spalten kann also bei geeigneter Wahl der Spaltenbreite die Lesbarkeit des Textes stark erhöhen. Eine optimal gestaltete Textspalte sollte daher in etwa 45 bis 65 Zeichen der verwendeten Schrift aufnehmen können.

Weiterhin sollte auch der Abstand zwischen zwei Spalten angemessen gewählt werden, da das Auge bei zu geringem Abstand leicht in die nächste Spalte wandert und bei zu großem Abstand der Eindruck entsteht, daß die Spalten auseinanderfallen. Ein adäquater Abstand stellt in etwa die Breite der Zeichenfolge -mi- dar.

Text- und Silelemente

Die Schriftgröße der Grundschrift bzw. Werkschrift oder Brotschrift eines Dokumentes ist auf die Intention des Dokumentes, der Menge der Zeichen pro Zeile, den Inhalt und den Leserkreis abzustimmen. Ein Dokument für Erwachsene mit normalem Zeilenabstand sollte einen Schriftgrad zwischen 8 und 12 Punkten verwenden. Für Kinder sind Schriftarten mit Größen zwischen 11 und 14 Punkten empfehlenswert.

Auf Overheadfolien sind für die Grundschrift mindestens 14, besser noch 16 und für Schlagworte sogar 18 Punkte zu setzen. Auf Vortragsfolien sollten dabei niemals mehr als 12 Zeilen pro Folie gezeigt werden. Ein gutes Maß; sind hier eher 4 bis 7 Stichworte oder Kurzaussagen, da dies der Erinnerungsfähigkeit des Menschen entgegenkommt.

Für Informationen, die aus größerer Entfernung aufgenommen werden sollen, müssen selbstverständlich größere Schriftgrade, sogenannte Schaugrößen bzw. Plakatschriften gewählt werden. Diese sind je nach Verwendung zu bestimmen, in jedem Fall aber größer als 12 Punkte zu wählen.

Als Konsultationsschrift bezeichnet man den Schriftgrad, in den Anmerkungen, Hinweise und Fußnoten gesetzt werden. Diese sind in der Regel recht kurz und gehören nicht zum eigentlichen Lesefluß, weshalb sie anderen Größenanforderungen unterliegen. Schriftgrößen zwischen 6 und 10 Punkten stellen hier optimale Werte dar.

Für Überschriften gibt es zwei Alternativen, die Hierarchiestufen optisch hervorzuheben. Zum einen kann man für jede Stufe einen eigenen Schriftgrad verwenden. Hier ergibt sich eine Abstufung 24 Punkt fett - 18 Punkt fett - 14 Punkt fett - 12 Punkt fett - 10 Punkt. Die letzte Angabe bezeichnet hier die Grundschrift. Die Alternative besteht darin, nur zwei Schriftgrade zu verwenden. Die daraus resultierende Abstufung ist beispielsweise 14 Punkt fett - 10 Punkt fett - 10 Punkt fett und kursiv - 10 Punkt kursiv - 10 Punkt normal. Der Abstand oberhalb und unterhalb einer Überschrift sollte so groß gewählt werden, daß die Überschrift optisch aus dem Fließext heraussticht. Häufig ist Leerraum (in umfangreichen Dokumenten sogar zwischen 4 und 10 Leerzeilen nach der Überschrift) sinnvoller zur Gliederung als die Verwendung mehrerer unterschiedlicher Schriftgrade.

Als letztes Stilelement eines Textes ist die Absatzuntergliederung sehr wichtig. Absätze sind eigenständige Informationseinheiten. Sie sollten weder zu groß noch zu klein gewählt werden, wobei eine typische Absatzlänge etwa 5 bis 15 Zeilen umfaßt [GK92]. Die erste Zeile eines Absatzes hat in der Regel einen Einzug, um einen neuen Absatz für das Auge des Lesers leichter erkennbar zu machen. Die Absatzausrichtung schließlich gibt an, wie der Text innerhalb einer Spalte ausgerichtet wird.

 

Für die Verwendung der Absatzausrichtungen gelten folgende Richtlinien:

  1. Blocksatz oder ausgeschlossener Satz: Standard für Fließtext innerhalb eines Dokumentes;
  2. Linksbündig gesetzter Text sollte immer dann verwendet werden, wenn man schmale Spalten benutzt;
  3. Rechtsbündig formatierter Text schließlich wird fast ausschließlich in Marginalien, d.h. in Randspalten der linken Seite benutzt;
  4. Zentriert gestellter Satz wird in Überschriften oder auf Deckblättern verwendet.

Durch den automatischen Absatzumbruch können sogenannte Hurenkinder, d.h. die letzte Zeile eines Absatzes, die am Anfang einer neuen Spalte oder Seite erscheint, oder Schusterjungen, die erste Zeile eines Absatzes am Ende einer Spalte oder Seite, entstehen. Diese beiden Situationen sollten selbstverständlich durch eine manuelle Nachkorrektur des Textes beseitigt werden.